/Funktionstherapie (CMD) – 19. Teil unserer Fachartikelreihe im Solinger Tageblatt

Funktionstherapie (CMD) – 19. Teil unserer Fachartikelreihe im Solinger Tageblatt

Erholsamer Schlaf, Ausgeglichenheit und Kraft sind die Kennzeichen Ihrer Gesundheit.

Doch die Anforderungen an Körper und Geist steigen von Tag zu Tag. Die Metapher „sich durchbeißen“ bekommt hierbei eine ganze neue und aktuelle Bedeutung. Viele Patienten klagen über Stress. Sie kämpfen sich durch ihre Tage – Was nicht nur an den Zähnen deutlich sichtbar ist!

 

Was bedeutet CMD?

Die Abkürzung CMD steht für „Craniomandibuläre Dysfunktion“. Der Begriff setzt sich aus den lateinischen Vokabeln „cranio“ für Schädel, „mandibula“ für Unterkiefer und „Dysfunktion“ für eine Fehlfunktion zusammen. Mit der CMD ist somit eine komplexe Funktionsstörung der Kiefer, der Kaumuskulatur und auch der Zähne gemeint. Jedoch diagnostizieren wir bei Patienten häufig auch Rücken- oder Nackenschmerzen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass starke Abweichungen der Kieferebene und -funktion Beschwerden in anderen Körperebenen bedingen.

CMD hat somit viele verschiedene Gesichter. Das Auftreten einzelner Beschwerden wie auch eine Kombination aus mehreren Krankheitssymptomen ist möglich. Störungen in Körperregionen, die auf den ersten Blick nicht mit dem Kauorgan in Verbindung gebracht werden können, haben ihre Ursache dennoch oft im Bereich des Kiefers und der Zähne.

 

Wie erkenne ich eine CMD?

Das häufigste Erkennungsmerkmal einer CMD ist das Zähneknirschen und/oder -pressen. Die Zahnhartsubstanz ist auf diese extreme Belastung nicht vorbereitet. Der Schmelz nutzt sich langsam ab. Zuerst verschwinden meist die Eckzahnspitzen. Dann werden die Schneidekanten der Schneidezähne immer kürzer. Mit der Zunge spürt man oft eine scharfe Kante.

Die Hyperaktivität der Kaumuskulatur setzt sich in einer Kettenreaktion auch in die Muskeln der Nachbarschaft fort. Hierdurch können dann neben Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen auch Schwindelgefühle, Übelkeit und Ohrengeräusche (Tinnitus) entstehen.

 

Wer erkrankt?

Untersuchungen zeigen, dass heute jeder 5. Erwachsene erkrankt ist – meist ohne es zu wissen. CMD tritt insbesondere im Alter zwischen 20 und 40 Jahren zum ersten Mal auf. Frauen sind 8x häufiger erkrankt als Männer.

 

Welche Ursachen gibt es?

Als mögliche Ursachen von CMD findet man drei Hauptkategorien, so genannte Faktoren:

1. Dentale Faktoren

  • Zahnverlust
  • Nicht erfolgreiche Kieferorthopädische Behandlung
  • Weisheitszähne / Platzmangel
  • Zahnersatz oder Füllungen in falscher Form und Höhe
  • Bisslagen-Veränderungen
  • Kieferbruch
  • Verlagerungen der Knorpelscheibe im Kiefergelenk (Diskusverlagerung)

2. Orthopädische Faktoren

  • Sportverletzungen
  • Eingriffe im Kopf-, Nacken- oder Halsbereich
  • Traumatische Veränderungen der Halswirbelsäule (Stürze / Unfälle)
  • Ischiasreizungen in der Lendenwirbelsäule (Lumbalgien)
  • Beckenschiefstand
  • Beinlängendifferenz
  • Schlechte Körper- und Sitzhaltung

3. Psychosomatische Faktoren

  • Stress
  • Traumata
  • Psychische Erkrankungen

 

Wie sieht die Therapie aus?

Viele Patienten leiden über viele Jahre an Kopf- und Rückenschmerzen. Diese werden zwar lokal von einzelnen Ärzten behandelt. Doch der Therapieerfolg ist meist nur von kurzer Dauer. Oft finden sich die Patienten mit der reduzierten Lebensqualität ab und versuchen mit den Schmerzen zu leben.

Das muss nicht sein! Es gibt ein erfolgreiches Therapiekonzept. Dieses setzt allerdings eine detaillierte Analyse durch ein kompetentes Team aus den verschiedensten Fachrichtungen der Medizin voraus. Meist ist der Zahnarzt derjenige, der die ersten Hinweise auf eine CMD erkennt.

Durch eine klinische Funktionsanalyse (FAL) / Manuelle Struktur Analyse (MSA) werden die individuellen Funktionsmuster analysiert. Die Analyse umfasst die Zähne, die Muskulatur und die Kiefergelenke. Dabei werden alle Strukturen auf ihre Funktionsfähigkeit, Bewegungsspielräume, Geräusche und Schmerzhaftigkeit untersucht. Die Ergebnisse werden als schriftlicher Funktionsbefund festgehalten. Er dient allen Fachrichtungen als Leitfaden.

Ziel der Funktionsanalyse ist zu klären, welche Einflussfaktoren (dentale, orthopädische und/oder psychosomatische) vorliegen. Erst danach kann entschieden werden, welche Ärzte dem Patienten helfen können. Neben dem Zahnarzt können Kollegen aus den Bereichen Physiotherapie, Orthopädie, Allgemeinmedizin, HNO und auch der Psychologie notwendig sein.

Liegen dentale Faktoren vor, kann oftmals eine Aufbiss-Schiene helfen. Hiermit können Fehlkontakte und Fehlstellungen ausgeglichen werden. Schienen dienen auch zum Wiederfinden der richtigen Bissebene – und ganz banal als Sturzhelm für Ihre Zähne.

Im weiteren Verlauf der Behandlung kann es dann notwendig sein, die vorhandenen Zähne mit neuen Kronen, Brücken oder Füllungen zu versorgen, um die Kauebene dauerhaft zu stabilisieren.

 

Wo hilft Funktionsanalyse außerdem?

Die Funktionsanalyse hat sich ebenfalls für die Planung von rekonstruktiven Maßnahmen wie Inlays, Kronen und Brücken sowie vor kieferorthopädischen Maßnahmen bewährt.

 

Was übernimmt die Krankenkasse / Versicherung?

Die CMD-Behandlung gehört bei den privaten Versicherungen in der Regel zu den Erstattungsleistungen.

Nach dem Sozialgesetzbuch V (SGB V, §28 Abs. 2, Satz 8) gehören funktionsanalytische und -therapeutische Maßnahmen nicht zur vertragszahnärztlichen Behandlung und können von den Krankenkassen nicht bezuschusst werden.

 

Unser Spezialisten-Netzwerk hilft Ihnen gerne!

Ihr Zahnstation-Team

20. Oktober 2018|Allgemein|