/Sport-Zahnmedizin – 21. Teil unserer Fachartikelreihe im Solinger Tageblatt

Sport-Zahnmedizin – 21. Teil unserer Fachartikelreihe im Solinger Tageblatt

Mit Biss zur Höchstleistung

Der Begriff „Sport-Zahnmedizin“ ist den meisten Menschen unbekannt. Wir verstehen unter Sport-Zahnmedizin die notwendige Ergänzung der klassischen Sportmedizin um die zahnmedizinische Diagnostik und Therapie.

 

Grundlagen

Der gesunde Körper ist das Fundament eines Leistungssportlers. Ziel im Spitzensport ist es, die Leistungsgrenze immer maximal auszuschöpfen. Diese enorme Belastung ist eine ständige Gradwanderung zwischen Leistungsausbeute und Gesundheit. Dies gilt insbesondere für den Bewegungsapparat mit seinen Knochen, Bändern und Muskeln.

Die Anzahl der medizinischen Einfluss-Faktoren auf das Leistungsvermögen eines Sportlers ist umfangreich. Neben dem Ehrgeiz beim Training haben die Ernährung des Sportlers, dessen genetische Disposition, die psychische Verfassung und natürlich seine körperliche Grundeinstellung Auswirkung auf den Trainingserfolg.

Hierbei ist auch die Mundgesundheit besonders wichtig. Zahnmedizinische Faktoren zeigen große Bedeutung bei der Anfälligkeit für Verletzungen.

Doch wo liegt der Zusammenhang?

 

Erkrankungen

Chronische Entzündungen im Mundraum (Parodontitis, Karies) verschlechtern den Allgemeinzustand und die Leistungsfähigkeit. Speziell für das Herz besteht ein erhöhtes Risiko (Endokarditis). Das größte Problem dabei ist, dass die meisten Erkrankungen sehr lange unentdeckt bleiben, da sie anfänglich keine Schmerzen verursachen. Der Athlet nimmt zwar die schlechteren Ergebnisse wahr (weniger Kraft, geringere Ausdauer, schlechtere Konzentration), ahnt aber nichts von den Ursachen.

Neben den Entzündungen fällt der Unterkieferposition eine besondere Rolle bei der Leistungsfähigkeit des Körpers zu. Besonders im Sport kann eine veränderte Unterkieferposition Veränderungen der gesamten Körperhaltung und damit Körperkraft zur Folge haben. Speziell bei Maximalbelastungen müssen Kopf- und Halsmuskulatur perfekt zusammenarbeiten. Störungen der Bisslage folgen unausweichlich Funktions- und Leistungsstörungen. Das Verletzungsrisiko steigt stark an.

Daraus resultiert, dass eine Optimierung des Haltungs- und Bewegungsapparates automatisch zu einer höheren Leistungsfähigkeit führt.

 

Befunde

Welche typischen Befunde können Hinweise auf eine Leistungseinschränkung geben?

– Verlagerung der Weisheitszähne
Platzmangel im Kieferbereich kann dazu führen, dass Bisslagen-Anomalien und chronisch entzündete Bereiche entstehen

– Abgestorbener Zahnnerv
Ein nervtoter Zahn kann auch bei idealer Wurzelbehandlung eine Belastung bedeuten. Verbleibende Eiweiße im Wurzelkanalsystem können Giftstoffe entwickeln. Jede Auseinandersetzung des Immunsystems mit Infekten stellt ein Energieverlust dar.

– Isolierte chronische Kieferentzündung
Hierbei handelt sich um meist symptomlose Knochenveränderungen. Es treten weder Schmerzen noch Schwellungen auf. Wir können die Erkrankung sicher mit Hilfe einer Dentalen Volumentomografie (DVT) diagnostizieren.

Chronische Entzündungen im Kiefer blockieren die körperliche Leistungsfähigkeit in aller Regel sehr stark.

– Zahnärztliche Werkstoffe
Zahnärztliche Werkstoffe können durch chronisch toxische Wirkung eine Belastung für den Körper darstellen. Amalgam gilt dabei als besonderer Belastungsfaktor, doch auch Nicht-Edelmetall-Legierungen, Kunststoffkleber oder Kunststoffe können den Organismus durch minimale Dosen langfristig belasten.

– Knirschen / Pressen
Fehlfunktionen der Kaumuskulatur und des Unterkiefers verbrauchen viel Energie und können durch entstehende Folgereaktionen (Kompensationen) Fehlstellungen der Halswirbelsäule, Kopf- und Nackenschmerzen und Schlafstörungen verursachen.

Dadurch werden nötige Regenerationsphasen spürbar eingeschränkt.

 

Therapie

Wir analysieren Ihren aktuellen Ist-Zustand. Mittels spezieller diagnostischer Methoden werden Erkrankungen und Fehlfunktionen aufgedeckt und die Einflussfaktoren definiert. Neben den zahnmedizinischen Einflussfaktoren werden zudem orthopädische, HNO und psychosomatische Faktoren bestimmt. Sind mehrere Fachbereiche betroffen, wird unser Kölner Spezialisten-Netzwerk aktiviert. Gemeinsam wird dann die Therapie geplant. Auf diese Weise können Probleme schnell erkannt und die Körperfunktionen gezielt optimiert werden.

Finden sich zahnmedizinische Befunde sollten diese strukturiert behandelt werden. Hierzu zählen die ideale Einstellung der Mundhygiene, Beseitigung alle Infekte (Karies und Parodontitis) und die Sanierung des erkrankten Knochens. Besteht eine Biss-Anomalie, gilt es diesen optimal einzustellen. Eine individuell hergestellte Aufbissschiene kann Schiefstände des Unterkiefers und Fehlbelastungen der Muskulatur aufheben.

Auch eine dauerhafte Neueinstellung des Bisses mittels Kieferorthopädie und/oder Zahnersatz kann sinnvoll sein.

So kann das Leistungsmaximum wieder erreicht und gezielt gesteigert werden.

Sinnvoll ist es daher sowohl vor der Saison als auch während der Saison Kontrollen durchführen zu lassen.

 

Fazit

Über Sieg oder Niederlage entscheiden kleinste Punkte, nicht nur im Spitzensport!

Voraussetzung für dieses legale Doping ist ein interdisziplinäres Team mit einem spezialisierten Zahnmediziner an der Spitze.

 

Schneller, stärker, besser – Sport-Zahnmedizin in der Ihrer Zahnstation

17. November 2018|Allgemein|